Rechenzentren: Superlative für die Ostschweiz

Im idyllischen Appenzeller Dorf Gais baut die St. Gallisch-Appenzellische Kraftwerke AG (SAK) das Rechenzentrum Ostschweiz. Es überzeugt mit höchster Energieeffizienz und Sicherheit sowie Tier IV Verfügbarkeit.

Die SAK ist ein Ostschweizer Energieversorgungsunternehmen, das mit SAKnet ein eigenes Glasfasernetz unterhält. Als Anbieter für Standortvernetzung, hochverfügbare Internetverbindungen, VoIP und individuell kombinierbare Glasfaserdienste kennt die SAK die Anforderungen an moderne Kommunikationslösungen. Das Rechenzentrum Ostschweiz (RZO) gilt als Leuchtturmprojekt, das weit über die Region hinausstrahlt. Gemäss SAK CEO Stefano Garbin ist das RZO eine logische Folge der Aktivitäten im Bereich der Glasfasererschliessung und der Glasfaserdienste sowie der über 100jährigen Erfahrung der SAK in der Planung, im Bau und Betrieb von Infrastrukturen. Das Projekt passt zu einem innovativen Energieversorgungsunternehmen, das sich selbst als Lösungsanbieter betrachtet. (Quelle: St. Galler Tagblatt vom 3.12.2016, Sonderseite Rechenzentrum).

Doch was genau ist dieses Rechenzentrum Ostschweiz? Und was darf die Fachwelt erwarten? Christoph Baumgärtner, Leiter Geschäftskunden Services SAKnet sowie Projektleiter Rechenzentrum Ostschweiz, hat darauf eine Antwort: «Das Rechenzentrum Ostschweiz ist das grünste Rechenzentrum der Schweiz. Sein Energieeffizienzwert PUE von 1,15 ist der beste der Schweiz. Die Verfügbarkeit auf Tier IV Level sowie die Sicherheitsvorkehrungen entsprechen höchsten Anforderungen, das heisst, das Rechenzentrum Ostschweiz ist bankenkonform. Gleichzeitig ist es ein riesiges Wärme- und Photovoltaikkraftwerk. In dem Gebäude vereint sich das geballte Wissen von vorausschauenden Experten aus Planung, Architektur, Ingenieurwesen und Bau.»

Betrachten wir uns das genauer.

Kommunikationshub

Mit dem Rechenzentrum Ostschweiz entsteht dank Photovoltaik und ausgereifter, adiabatischer Kühlvorrichtung das energieeffizienteste Rechenzentrum der Schweiz. Das Rechenzentrum wird auf TIER IV Level zertifiziert und erreicht damit den höchsten Verfügbarkeitsstandard von 99,998%. Das Gebäude ist bis zu jedem einzelnen Rack komplett redundant erschlossen. Das Sicherheitskonzept mit elektronisch überwachtem Zaun, durchgängiger Videoüberwachung und Vereinzelungsanlage mit biometrischer Zutrittskontrolle entspricht höchsten Sicherheitsstandards. Sicherheit und Verfügbarkeit machen das Rechenzentrum Ostschweiz bankenkonform.  Mit einer Fläche von 2 x 450 m2 bietet es Platz für 2 x 150 Racks. Unternehmen und Institutionen nutzen Racks, eingezäunte Rack Lounges und für grosse Lösungen Rechenzentrumsfläche in Form von Private Suites. Ein Komplettpaket für KMU ergänzt das Angebot. Für das Aufsetzen und den Unterhalt der Server stehen Arbeitsräumlichkeiten zur Verfügung. Eine leistungsstarke, automatische Gas-Löschanlage sorgt im Brandfall für den notwendigen Schutz der IT-Geräte.

Beeindruckende Energieffizienz

In einem Rechenzentrum stehen hunderte von Servern, die mit Strom versorgt werden. Diese Server erzeugen Wärme, deshalb muss in den Räumlichkeiten Kühlung und Wärmeaustausch sichergestellt sein. Die Notstromversorgung mittels USV sowie Licht und weiterer Unterhalt benötigen ebenfalls Strom. Betrachtet man den Energieeffizienzwert eines Rechenzentrums erhält man Aufschluss darüber wie viel Energie ein Rechenzentrum einsetzt für Kühlung, Wärmeaustausch, USV, Licht und weiteren Unterhalt. Üblicherweise werden Unternehmensserver mit einem durchschnittlichen Energieeffizienzwert von 1, 8 betrieben. Das heisst, dass zusätzlich zum Betrieb der Server 80% der Energie eingesetzt werden. Das Rechenzentrum Ostschweiz hat einen Energieeffizienzwert von 1,15. Es werden also nur 15 Prozent zusätzliche Energie für die Basisinfrastruktur eingesetzt. Interessant wird es nun, wenn Unternehmen ihre Server, die bislang mit einem Energieeffizienzwert von 1,8 betrieben wurden, in das Rechenzentrum Ostschweiz verlagern. Der Stromverbrauch für die Infrastruktur wird dadurch umgehend um 80 Prozent reduziert. Gerechnet auf die Grösse des Rechenzentrum Ostschweiz entspricht diese Einsparung dem Strombedarf von 1700 Haushalten.

Kühlung ohne mechanische Kältemaschinen

Der hervorragende Energieeffizienzwert des Rechenzentrum Ostschweiz kann nur dank seines Standortes erreicht werden. Denn aufgrund der Höhenlage in Gais kommt das Rechenzentrum Ostschweiz ganz ohne mechanische Kältemaschinen aus. Gekühlt wird mit Aussenluft. An heissen Tagen werden die Wärmeaustauscher zusätzlich mit Wasser besprüht. Man nennt dies adiabatische Kühlung.

Wärmekraftwerk für die Region

Das Rechenzentrum Ostschweiz produziert während des Kühlvorgangs grosse Mengen an Abwärme, welche in einem Nahwärmeverbund direkt weitergenutzt wird. Die benachbarte Bergkäserei Gais nutzt einen Teil der Abwärme, um jährlich rund 10 Millionen Liter Milch zu erhitzen. Damit werden rund 1,5 Millionen kWh Erdgas eingespart. Zusätzlich zur Käserei können weitere 150 Haushalte mit Wärme für Heizung und Brauchwasser versorgt werden oder bei Bedarf auch weitere
Betriebe am Wärmeverbund teilnehmen.

Riesiges Photovoltaikkraftwerk

Das Rechenzentrum Ostschweiz wird rundum an den Fassaden sowie auf dem Dach mit Solarpanels verkleidet. Damit können jährlich rund 230 000 kWh Energie produziert werden. Das entspricht dem Bedarf von 50 Haushalten. Die so erzeugte Energie wird komplett im Rechenzentrum Ostschweiz verbraucht.

Eröffnung Ende 2017

Die Bauarbeiten zum Rechenzentrum Ostschweiz sind im vollen Gang. In Gais wird gebaggert und gebohrt und verlegt. Im Juni soll der Rohbau des Rechenzentrum Ostschweiz stehen. Ende Jahr können bereits die ersten Unternehmen ihre Server im neuen Rechenzentrum betreiben. Wer sich für das Rechenzentrum Ostschweiz und sein Angebot interessiert, besucht die Website www.rechenzentrum-ostschweiz.ch oder meldet sich unter der angegebenen E-Mail-Adresse direkt beim Autor.

[themify_box style=”gray contact”]

Autor: Christoph Baumgärtner ist Leiter Geschäftskunden Services SAKnet und Projektleiter Rechenzentrum Ostschweiz, Kontakt: rzo@sak.ch [/themify_box]

[themify_box style=”light-yellow download”]

 Lesen Sie diesen Artikel und weitere in der Ausgabe 1-2017[/themify_box]

Share this...
Share on Facebook
Facebook
Tweet about this on Twitter
Twitter