Fünf IT-Herausforderungen für die Automobilindustrie

Digital und vernetzt – so sehen Experten die Zukunft des Automobils. Schon im Jahr 2017 werden rund 80 Prozent der Neufahrzeuge mit einem Internet-Anschluss ausgestattet sein. Für die Automobilindustrie ist das Connected Car Risiko und Chance zugleich. Einerseits eröffnet die Digitalisierung den Herstellern ganz neue Geschäftsmöglichkeiten, andererseits müssen sie sich dafür in den nächsten Jahren ihre eigene IT-Kompetenz stärken und insbesondere fünf Themenfeldern ganz oben auf ihre Agenda setzen:

1. Softwarebasierte Mehrwertdienste bereitstellen

Nach einer aktuellen Studie von McKinsey spielen Angebote wie ortsbasierte Empfehlungen, dynamische Stauprognosen oder Musik-Streaming-Dienste schon heute eine immer wichtigere Rolle beim Autokauf. 40 Prozent der Vielfahrer, die mehr als 20 Stunden pro Woche unterwegs sind, würde für bessere Connectivity-Dienste jederzeit die Automarke wechseln. Um Kunden zu binden, müssen Automobilhersteller daher ihr Angebot an datenbasierten Services ständig weiterentwickeln. Dadurch kommen jedoch auch neue Herausforderungen auf die Branche zu – zum Beispiel beim Software Lifecycle Management. Die Hersteller benötigen Lösungen, um die zahlreichen Apps und Konfigurationen im Fahrzeug möglichst effizient zu managen und aktuell zu halten. Fahrer erwarten von den neuen Connectivity-Diensten ausserdem eine garantierte Verfügbarkeit. Hersteller müssen daher ausfallsichere IT-Infrastrukturen für den Betrieb dieser Services aufbauen.

2. Das Fahrzeug als zusätzliche Informationsquelle erschliessen

Das Thema Daten wird eine entscheidende Rolle in der Zukunft der Automobilindustrie spielen. Hersteller arbeiten mittlerweile daran, unterschiedlichste Fahrzeug-, Kommunikations- und Kundendaten zu analysieren und für weitere Anwendungen nutzbar zu machen. Die denkbaren Einsatzszenarien sind nahezu unbegrenzt. So ist es zum Beispiel möglich, dem Kunden gezielte Wartungs-Services auf Basis der aktuellen Verschleissdaten anzubieten und die gewonnenen Erkenntnisse sofort wieder in die Produktentwicklung einfliessen zu lassen. Auch Vertriebs- und Marketingstrategien können durch Big Data-Analysen noch gezielter auf die tatsächlichen Kundenbedürfnisse ausrichtet werden. Hersteller benötigen dafür jedoch intelligente Filtermechanismen, mit denen sich die riesigen Datenmengen beherrschen lassen. Aktuell produzieren Fahrzeuge rund ein Gigabyte an Daten pro Stunde – Experten rechnen damit, dass in den selbststeuernden Fahrzeugen von morgen Datenmengen von mehreren Terabyte pro Stunde anfallen werden.

3. Das Benutzererlebnis personalisieren

Das Thema „User Experience“ hat in den letzten Jahren für Automobilhersteller immer mehr an Bedeutung gewonnen. Von der Sprachsteuerung bis zum Touchscreen integrierte man zahlreiche neue Technologien ins Cockpit, um die Interaktion zwischen Fahrer und Fahrzeug zu optimieren. Doch die Möglichkeiten für eine smartere und intuitivere Bedienung sind damit noch längst nicht ausgeschöpft. Insbesondere durch eine weitergehende Personalisierung lässt sich der Benutzerkomfort auf eine ganz neue Stufe heben. Dies bedeutet zum Beispiel, dass individuelle Einstellungen für Heizung, Sitzposition, Radio, Connectivity-Dienste und ähnliches geladen werden, sobald sich der Fahrer an seinem Fahrzeug anmeldet – und dies sogar, wenn es sich um einen Ersatzwagen handelt, weil sich das eigene Auto gerade in der Werkstatt befindet. Auch Concierge-Services könnten personalisiert und kontextbasiert auf die individuellen Bedürfnisse des Fahrers zugeschnitten werden. Voraussetzung dafür: Der Hersteller muss in der Lage sein, die persönlichen Benutzerprofile mit allen Berechtigungen sicher zu verwalten und in jedem Fahrzeug bereitzustellen.

4. Kompromisslose Sicherheit gewährleisten

Das Connected Car kann sich nur etablieren, wenn Manipulationen durch Hacker oder Cyberkriminelle ausgeschlossen sind. Immer wieder haben Sicherheitsexperten zuletzt jedoch Schwachstellen identifiziert, die es zum Beispiel ermöglichen, Bordsysteme mit Malware zu infizieren und sogar einzelne Komponenten wie zum Beispiel Airbags zu deaktivieren. Autohersteller müssen daher auf Security-Architekturen setzen, die die einzelnen Software-Komponenten zuverlässig vor allen unbefugten Zugriffen schützen. Darüber hinaus gelten für den Umgang mit Fahrzeug- und Kundendaten strengste Sicherheits- und Datenschutzanforderungen: Bei der Übertragung von Daten an den Hersteller oder an externe Service-Partner muss sichergestellt werden, dass die sensiblen Informationen nicht in die falschen Hände geraten können.

5. Mit Partnern kooperieren, ohne die Kontrolle aus der Hand zu geben

Von ortsbezogenen Services bis zu ganzheitlichen Mobility-Konzepten – Automobilhersteller werden künftig viele Dienstleistungen rund um das Connected Car nur in Zusammenarbeit mit Partnern erbringen können. Egal ob es sich dabei um IT-Grössen wie Google und Apple mit mobilen Assistenzlösungen handelt oder Versicherungsunternehmen, die anhand bestimmter Fahrzeugdaten, ihren Kunden massgeschneiderte Tarife anbieten wollen, um so etwa eine vorsichtige Fahrweise zu belohnen.

Angesichts dieser Vielfalt an neuen Optionen werden sich die Rolle und auch das Geschäftsmodell von Automobilherstellern grundsätzlich verändern. Entscheidend ist, dass sie dabei nicht zu reinen „Hardware“-Lieferanten werden, sondern die volle Kontrolle über die Daten und Services rund um das Connected Car behalten. Hersteller, die mit eigenen innovativen Lösungen bei ihren Kunden punkten, können sich enorme zusätzliche Wertschöpfungspotentiale sichern.

Autor: Thomas Vetsch, Country Manager Schweiz bei Citrix

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