Den Produktvertrieb mit Enterprise Virtual Reality digitalisieren

Virtual Reality (VR) wird in der Automobilbranche, der Pharmaindustrie, der Medizin und gar im Erdölsektor seit mehr als 20 Jahren erfolgreich genutzt. Nun hofft der Handel auf eine Renaissance durch VR-Technologie. Doch bei den klassischen VR-Ansätzen gestaltet sich die Einbindung in die Unternehmens-IT schwierig. Das Schweizer Software-Unternehmen One Inside löst diese Herausforderung mit einer webbasierten Enterprise-Lösung für interaktive 3D-Visualisierung. Chris Henn, Chief Product Officer bei One Inside erklärt, wie die Lösung entstanden ist und wie sie funktioniert.

Chris Henn: Das Online-Business hat den Konsumenten ganz neue Türen geöffnet, da sie sich ortsunabhängig über Produkte und Sortimente informieren können. Viele Kunden besuchen zwar noch Ladenlokale, um das Kaufobjekt physisch zu erleben. Gekauft wird das Produkt aber meist zum günstigsten Preis im Web. Für die Händler ist diese Entwicklung belastend: Sie müssen die Produkte zu Ausstellungszwecken ohne Verkaufsgarantie produzieren. Die Ausstellungsfläche ist limitiert und ausgerechnet die Produktvariante, für die sich der Käufer interessiert, oft nicht verfügbar. Die Lösung dieses Problems wird in der Virtual Reality gesucht. Auf kleinstem Raum kann der Kunde das Produkt in 3D interaktiv und in allen verfügbaren Ausführungen erleben. Das immersive Erleben des Produkts hinterlässt zwar einen starken Eindruck beim Kunden, technische Hilfsmittel wie Brillen und 3D-Werkzeuge sind für das Verkaufsgespräch jedoch hinderlich. Und die Unternehmen tun sich noch schwer damit, das 3D-Produkterlebnis in ihre bestehende IT-Landschaften zu integrieren.

Der Weg zur interaktiven 3D-Produktvisualisierung

Wir als Schweizer Software-Unternehmen sind immer wieder in Gesprächen mit Kunden auf dieses Thema gestossen. Unsere ursprüngliche Kernkompetenz ist Enterprise Content. Dabei fokussieren wir auf Web Content Management, hybride mobile Anwendungen und webbasierte, interaktive 3D-Visualisierung. Für unsere Kunden setzen wir komplexe Web-Auftritte um, so etwa die kürzlich zum Master of Swiss Web 2018 gekürte Website der SBB. Dabei haben wir gelernt, wie wichtig es ist, Enterprise Content in bereits bestehende IT-Architekturen einzubinden und so ein möglichst stringentes Ökosystem zu schaffen.

Erste Experimente mit beliebten VR-Gaming-Plattformen wie Unity oder der Unreal Engine waren aufgrund der speziellen Anforderungen an die Entwicklungsumgebung unbefriedigend, insbesondere was die Unterstützung der Web-Plattform anging. So wuchs in unseren Köpfen die Idee eines schlanken Mittelwegs: Wir entwickelten eine VR-Lösung aus Enterprise-Sicht, die das Beste aus beiden Welten – Web Content und interaktive 3D-Visualisierung – vereinigt. Unsere Plattform konzentriert sich deshalb nur auf das Wesentliche in der 3D-Visualisierung zur Produktdarstellung und ist gleichzeitig in bestehende IT-Lösungen wie E-Commerce- oder CRM-Tools integrierbar. Damit war unsere webbasierte «Inside Reality»-Plattform geboren.

Einfache IT-Integration durch Webtechnologie

«Inside Reality» ist anders als bisher etablierte VR-Lösungen. Traditionelle Gaming-Engines sind hochspezialisiert. Damit sie extrem performant sind, werden sie oft in der Programmiersprache C++ und nicht in klassischen Enterprise-Sprachen wie Java oder JavaScript entwickelt. Zudem sind darin Funktionalitäten enthalten, die aus Sicht der Spiel-Programmierung Sinn machen, für Unternehmen aber nicht nötig sind. C++ ist im Enterprise-Umfeld wenig verbreitet. Entwicklungsumgebungen wie Java oder webbasiertes JavaScript sind hier wichtiger, nicht zuletzt aufgrund der viel höheren Sicherheit im transaktionellen Umfeld.

Wir setzten bei der Entwicklung von «Inside Reality» ausschliesslich auf Web-Standards und betrachten 3D-Produktdarstellungen ebenso als webfähigen und zentral verwaltbaren Content wie Texte, Bilder und Videos. Dadurch lassen sich die Möglichkeiten des Internets voll nutzen, zum Beispiel bei der Bewirtschaftung der Inhalte in bestehenden CMS-Lösungen oder bei der Integration in bestehende Digital Marketing Tools wie Web Analytics, E-Commerce, CRM oder POS-Systeme. Bestehende Software-Investitionen können ohne technische Hürden genutzt werden. Eine erste Integration von «Inside Reality» in den Adobe Experience Manager, das Enterprise-CMS von Adobe, wurde bereits im März 2017 erfolgreich am Adobe Summit in Las Vegas präsentiert.

VR-Erlebnisse im Browser darstellen

«Inside Reality» kann direkt über einen Webbrowser abgespielt werden. Eindrücklich ist das vor allem, wenn die Browseransicht auf grosse Screens oder Wände projiziert wird. Der Betrachter erlebt dann je nach Setting eine immersive Rundumsicht auf die 3D-Produktdarstellung und kann einzelne Elemente detailgetreu und im passenden Kontext betrachten. So kann beispielsweise ein Innerarchitekt oder ein Möbelhaus die Ausgestaltung von Wohnraum visualisieren und für potentielle Kunden fassbar machen. Auf diese Weise ermöglicht VR dem Handel, emotionale Produkterlebnisse sichtbar zu machen und vollständig digitalisiert umzusetzen.

Anders als herkömmliche VR-Plattformen kommt Inside Reality ganz ohne VR-Brillen aus. Dadurch können die 3D-Szenarien von mehreren Personen gleichzeitig angeschaut werden, ohne dass die Betrachter durch technische Ausrüstung voneinander abgeschottet werden. Das fördert die zwischenmenschliche Kommunikation, was sowohl dem Kunden als auch dem Verkäufer zugutekommt.

Mittels 3D-Visualisierung werden allfällige Missverständnisse in Verkaufsgesprächen frühzeitig aus dem Weg geräumt, da der Kunde sein Wunschprodukt in der gewünschten Ausführung in 3D begutachten kann.

Wo findet «Inside Reality» Anwendung?

Im «Digital Showroom» als Ergänzung zum physischen Showroom oder an Messen und Ausstellungen können Produktvarianten virtuell dargestellt werden, die in keinem realen Showroom Platz haben oder deren Materialvarianten zu ausgefallen sind. Der Kunde kann sich ein konkretes Bild der Produkte – möglicherweise sogar in einem personalisierten Kontext – machen.

Den Einsatzgebieten und -Branchen sind keine Grenzen gesetzt. So kann «Inside Reality» auch zu Schulungs- und Trainingszwecken genutzt werden. Ideal geeignet ist eine solche VR-Lösung natürlich auch für die Ladenplanung, da keine Bauinvestitionen vor einem Entscheid getätigt werden müssen. Ausserdem müssen durch den Einsatz von 3D-Visualisierung im Product Management weniger physische Prototypen produziert werden. Andere Industrien haben bereits gezeigt, dass sich der Return on Investment lohnt. Mit dem Aufkommen 3D-fähiger Konsumentenelektronik wird dieser ROI nun auch für den Handel greifbar.

[themify_box color=”light-blue”]Interessenten haben die Möglichkeit, die Inside Reality Technologie bei einem Besuch des One Inside Reality Centers in Liestal hautnah zu erleben. Für einen Termin melden Sie sich bitte direkt bei One Inside.[/themify_box]

 

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