Willkommen im intelligenten Unternehmen – die wichtigsten Techniktrends 2018

In den nächsten zehn Jahren werden fünf Milliarden Anwender über Hochgeschwindigkeitsnetzwerke verbunden sein.  Neben Menschen gehen auch Billionen von Maschinen ans Netz. Damit einher geht eine neue Art zu arbeiten. Neue Software treibt die digitale Transformation voran und ermöglicht immer intelligentere Unternehmen. Bild: Syda Productions/shutterstock.com

Die Topthemen für 2018 sind ohne Frage künstliche Intelligenz, selbstfahrende Autos und Drohnen, Cyberwährungen, das Internet der Dinge, Sicherheit und die Cloud. Für OpenText geht es aber vor allen Dingen um die Technologien und Trends, die die Zukunft von intelligenten Unternehmen prägen.

1. Künstliche Intelligenz im Unternehmen

Was KI schon heute leisten kann, hat das GO-Spiel von AlphaGo (Computerprogramm) gegen den erfahrenen Spieler Lee Sedol eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Der Sieg der Technik über das menschliche Gehirn basierte nicht nur auf klassischen KI-Funktionen wie Mustererkennung und Entscheidungsfindung, sondern auch auf der bahnbrechenden Technik des Reinforcement Learning. Gemeint ist, eine Aktion auszulösen, die zu einer grösseren Belohnung führt. Algorithmen auf der Basis von Reinforcement Learning sind bereits heute verfügbar. Im Jahr 2018 werden sie mit autonomen Fahrzeugen auf der Straße oder Robotern in Fabrikhallen angewendet.

Im Laufe des nächsten Jahres steigt das Interesse an KI in allen Branchen weiter an: Bis 2020 wird der KI-Markt auf 47 Milliarden Dollar anwachsen.

Die Investition in KI, Big Data Tools und Systeme für maschinelles Lernen lohnt sich für Unternehmen: Bestehende und neue Daten können effektiver erfasst und ausgewertet werden und ermöglichen so eine bessere Entscheidungsfindung. Zudem steigt die Produktivität, Prozesse lassen sich gewinnbringend automatisieren und optimieren.

2. Autonome Autos, LKW und Drohnen

Algorithmen, die auf KI basieren und Reinforcement Learning nutzen, werden autonome Fahrzeuge, Roboter und Drohnen steuern. Intelligente Roboter (wie beispielsweise Baxter) werden gebaut, um nicht nur für sich selbst zu “denken”, sondern auch ihre Umgebung genauer zu erfassen.

Bereits 2025 sollen weltweit fahrerlose Autos im Einsatz sein. Die großen Automobilhersteller befinden sich derzeit in der Testphase. Uber beispielsweise plant für 2020 sogar den Test von selbstfliegenden Autos. Solche Fahrzeuge werden die Logistik- und Transportbranche grundlegend verändern. Auch der Einsatz von Drohnen wird zunehmen: Sie unterstützen Landwirte bei der täglichen Arbeit, etwa bei der Überwachung der Ernte. Die Lieferung von Waren wie Medikamente an abgelegene Orte, Lebensmittel an Verbraucher und Bauteile an Hersteller kann ebenfalls bald Realität sein.

3. Kryptowährungen und die Blockchain-Revolution

Im Jahr 2017 betraten erstmals neue Kryptowährungen den von Bitcoin dominierten Markt – mittlerweile gibt es mehr als 1.100 verschiedene Kryptowährungen. Sie drängen traditionelle Finanzinstitute aus dem Markt, weil sie keine Gebühren oder Friktionskosten im Zusammenhang mit Finanztransaktionen verursachen. Solche Peer-to-Peer-Modelle gewinnen zunehmend an Zugkraft bei Verbrauchern, Einzelhändlern und Investoren. Bereits am 3. März 2017 überholte Bitcoin den Wert des Goldes und notierte bei 1.290 US-Dollar. Investoren wurde also deutlich vor Augen geführt, dass nicht alles Gold ist, was glänzt. Seit 2017 ist der Wert von Bitcoins um 1.000 Prozent gestiegen. Immer mehr Unternehmen erkennen Kryptowährungen als legitim an, darunter 260.000 neue Einzelhändler in Japan, die Bitcoins bereits als Zahlungsmittel akzeptieren wollen.

Eine der bedeutendsten Innovationen im Bereich der Kryptowährungen ist der Einsatz der Blockchain-Technologie. Die Verwendung von Bitcoins revolutioniert die Branche, aber ihr Potenzial liegt weit über der Art und Weise, wie wir den Austausch und die Verwaltung von Vermögenswerten gestalten. Durch die Verknüpfung einer Kette von Datensätzen oder „Blöcken“, die nicht verändert werden können, kann Blockchain transparentere und sicherere Systeme schaffen. Die Anwendungen sind vielschichtig – angefangen bei Transaktionen, der Erneuerung von Pässen, dem Mieten von Autos, dem Zahlen von Steuern, bis hin zu der Art, wie wir uns ausweisen. 2018 wird das Jahr des Blockchain-Starts, insbesondere in den Bereichen Sicherheit und Verschlüsselung.

4. Das „Internet of Everything“

Das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) schafft ein riesiges, globales Netzwerk von Geräten und Maschinen, die miteinander verbunden sind, kommunizieren und Daten austauschen. Dieser Markt umfasst bis 2020 Milliarden von Geräten im Wert von 14,4 Billionen US-Dollar.

Auch wenn wir die unmittelbaren Auswirkungen des Internet der Dinge vielleicht nicht spüren, so ist seine Wirkung doch enorm. Fortschritte in der IoT-Biotechnologie heben die Gesundheitsversorgung auf ein neues Niveau, mit einer rund um die Uhr laufenden Überwachung, einer gezielten Behandlung und sogar einer automatisierten Dosierung von Medikamenten. In intelligenten Städten, wenn alles an das IoT-Netz angeschlossen ist, werden autonome Fahrzeuge Unfälle durch menschliches Versagen verhindern und jährlich eine Million Menschenleben retten. Im „intelligent Enterprise“ verbindet das Internet der Dinge die globale Lieferkette und ermöglicht so eine umfassende Transparenz, proaktive Nachschubplanung und vorausschauende Wartung. Mit dem IoT wird die datenbasierte Entscheidungsfindung zum Standard in allen Branchen und im täglichen Leben.

5. Superintelligente Wesen (mit einem IQ von 1.000)

Im Laufe der Zeit wurden Menschen nachweislich intelligenter. Mit computergestütztem Lernen, Programmen wie Massive Open Online Courses (MOOCs) und internetgestütztem Wissen, das zur Steigerung unseres IQs beiträgt, könnten wir in nur wenigen Jahrzehnten intelligenter sein als Stephen Hawking oder Albert Einstein. Aber gibt es eine Obergrenze für Intelligenz? Nicht, wenn es über natürliche (oder gar menschliche) Intelligenz hinausgeht. Human Enhancement Technologies (HET) und Brain-Computer-Interfacing-Technologien erweitern die Fähigkeit des Gehirns, Informationen zu speichern. Ein Exocortex, ein externes Verarbeitungssystem, wird es eventuell ermöglichen, alles, was wir jemals gelesen, gelernt und erlebt haben, zu speichern und darauf zuzugreifen. Diese Technologien, zusammen mit computergestütztem Lernen, werden IQs von mehr als 1.000 ermöglichen.

Superintelligenz wird Teil der menschlichen Erfahrung. Wann wird die Schwelle überschritten sein, so dass unser Gehirn Datenmengen sogar schneller speichern, indexieren und durchsuchen kann als Google?

6. Edge-Computing und Devices

IoT-Geräte stossen an die Grenzen der Cloud und schaffen ein neues Cloud-Computing-Paradigma, in dem Cloud- und Edge-Computing aufeinandertreffen. Mit Hilfe von Edge-Computing rückt die Rechenleistung stärker an die Datenquelle heran. Nach diesem Paradigma sind Daten nicht gleich Daten. Nur die Daten, die für das Unternehmen wirklich relevant sind, werden in die Cloud gesendet. So werden Kosten reduziert, die mit der Verwaltung und dem Speichern steigender IoT-Datenmengen verbunden sind. Zeitkritische Daten können vom Gerät selbst verarbeitet werden, was eine schnellere Antwortzeit ermöglicht und die Netzwerklatenz deutlich reduziert. Dies ist weitaus effektiver als die reine Cloud-Nutzung. Da die Anzahl an Geräten und die Verarbeitung großer Datenmengen auch weiter steigt, wird Edge-Computing die Cloud, die nun mehr als unterstützende Technologie fungiert, an den Rand drängen. Zusammen können beide Technologien die Infrastruktur bereitstellen, die nötig ist, um im sich immer weiter ausdehnenden IoT-Universum zu bestehen.

7. Eine höhere Lebenserwartung durch Biotech

Mit Techniken wie der Gentherapie, die Immunzellen modifiziert, um Krankheiten wie HIV, Alzheimer oder Krebs zu bekämpfen, versuchen Wissenschaftler unser genetisches Make-Up aufzufrischen. Ziel ist es, den Altersprozess von Zellen zu verlangsamen oder sogar zu stoppen. Mit dem Fortschritt der Medizin werden Ärzte in der Lage sein, immer mehr genetisch bedingte Krankheiten zu heilen und nicht nur zu behandeln. So wird eine Lebenserwartung von 150 Jahren womöglich bald Realität.  Wissenschaftler weltweit arbeiten zudem an der Erstellung eines Zellatlas, der 32,7 Billionen Zellen im menschlichen Körper katalogisiert und jeder Einzelnen eine molekulare Signatur zuordnet. Mit diesem Atlas analysieren Forscher Millionen von Zellen, um Krankheiten besser zu verstehen und zu bekämpfen. Weitere bahnbrechende Fortschritte in der Biotechnologie wird es in der Hirntransplantation geben. Neurowissenschaftler verbinden Echtzeitdaten aus dem Gehirn mit elektrischen Simulatoren am Körper, um eine Art neuronalen Bypass zur Heilung gelähmter Gliedmassen zu schaffen. Blinden Menschen könnte auf ähnliche Weise mit einem Chip im Auge geholfen werden. Auch das Gedächtnis von Alzheimerpatienten ließe sich so wiederherstellen. Die Nachfrage an Hirnimplantaten wird im Laufe des nächsten Jahrzehnts ebenfalls drastisch steigen.

8. Die nächste Generation der Cybersicherheit

Unternehmen sehen sich im Cyberspace mit immer neuen Bedrohungen konfrontiert. Bits, Bytes und Botnets sind die Waffen der Wahl für Kriminelle geworden. Daraus ist ein “Internet der Botnets” entstanden. Dabei handelt es sich um globale Netzwerke kompromittierter Geräte, die von Hackern genutzt oder an kriminelle Organisationen vermietet werden. Besonders beunruhigend: Ein relativ neues Botnet mit der Bezeichnung IoT Reaper könnte sogar das komplette Internet beeinträchtigen.

Firewalls und andere traditionelle Sicherheitsmassnahmen reichen nicht mehr aus, um sich gegen immer komplexere und ausgeklügelte Cyberangriffe zu wehren. Unternehmen benötigen neue Lösungen, die es mit solchen Bot-Netzen aufnehmen können. Künstliche Intelligenz, Quantencomputing und Quantenkryptographie haben sich bereits zu vielversprechenden Maßnahmen entwickelt: KI in Form von maschinellem Lernen untersucht Netzwerke und Endgeräte gezielt nach Anomalien und blockiert diese bei Bedarf in Echtzeit. Mit Hilfe von Quantencomputing lassen sich täglich mehr als 150.000 Bedrohungen analysieren, um die gefährlichsten zu identifizieren. Quantenkryptographie ermöglicht zudem eine sichere Kommunikation. Diese neuen Technologien definieren Cybersicherheit in Zukunft neu.

Manchmal liegen zukünftige Technologien und Fiktion nahe beieinander. Fakt ist jedoch: Unternehmen werden intelligenter und digitaler. Ob Cloud, Edge-Points, Internetsicherheit oder Supply Chain – 2018 profitieren verschiedene Bereiche von den neuen Technologien.

Autor: Mark Barrenechea, CEO und CTO, OpenText

 

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