Reine Cloudspeicherlösungen sind (noch) nicht gefragt

Alte Strukturen und Denkweisen in den IT-Abteilungen müssen auf dem Weg zur serviceorientierten IT überwunden werden. Wir sprachen mit
Frank Thonüs, Managing Director, EMC Schweiz, über die Wege dahin.

Aktuell beschäftigt uns gerade die Frage: Welche Auswirkungen hat die Übernahme von EMC durch Dell auf EMC selbst und speziell für die EMC Schweiz?
Frank Thonüs: Kurzfristig wird es keine Auswirkungen haben. Bis zum 15. Dezember passiert gar nichts, erst dann ist die Bieterperiode abgeschlossen. Wir planen das Jahr 2016 als selbständiges Unternehmen ohne Dell. Längerfristig wird es schon grössere Veränderungen geben. Dell wird sein Server-Geschäft in das EMC Datacenter-Geschäft integrieren.

Frank Thonüs, Managing Director, EMC Schweiz
Frank Thonüs, Managing Director, EMC Schweiz

Was können die Kunden vom Zusammenschluss erwarten?
Der Hardwaremarkt wird in den nächsten Jahren zurückgehen. Die aktuelle Richtung, in die sich der Markt bewegt, erfordert Flexibilität. Durch den Zusammenschluss mit Dell werden wir einer der weltweit grössten IT-Hardwareanbieter werden. Dies erlaubt uns, alles auf der Ebene der Speichergeräte, der Systemebene und der Serviceebene aus einer Hand anzubieten. Dadurch profitiert auch der Kunde direkt vom Zusammenspiel der Produkte und kann dadurch auch Kosten sparen.

Wie sehen Sie in Zukunft das Storage-Geschäft?
Allgemein ist, dass das Hardware- so auch das Storage-Geschäft weltweit unter Druck sind und in den nächsten zehn Jahren rückläufig sein werden. Dies bedeutet für uns, dass wir unsere Kunden bei der Digitalisierung mit smarten Lösungen unterstützen können müssen. Hier werden mehr Beratungsleistungen und Softwarelösungen gefragt sein. Wir machen schon heute rund 30 % des Umsatzes mit Software.

Wie sehen Sie die Entwicklung im Bereich Speicher in den nächsten Jahren? Welche Trends werden sich durchsetzen?
All-Flash-Arrays geraten zunehmend ins Blickfeld der Anwender – nicht zuletzt da auch die Preise der Flash-Technologie permanent fallen. Zudem ermöglichen All-Flash-Arrays neue Funktionen wie Inline-Block-Deduplikation, die zum Beispiel im Datenbankumfeld extreme Deduplizierungs-Raten erreichen. Konventionelle Speicherlösungen würden unzählige normale Disks für die gleiche Speicherkapazität benötigen, die ein Vielfaches an Energieverbrauch und Managementkosten verursachen. Persönlich glaube ich, dass es in fünf Jahren keine klassischen Speichersysteme mehr geben wird. Flash-Speicher wird die klassischen Speichersysteme ablösen. Hier setzen wir z.B. mit EMC XtremIO All-Flash-Array neue Massstäbe – ideal für VDI (Virtual Desktop Infrastructure), virtuelle Server und Datenbankumgebungen. Nebst den technologischen Entwicklungen im Hardwaresektor wird auch die Cloud eine entscheidende Rolle im Speicherumfeld spielen. Wir haben heute bereits die Situation, dass dank der Cloud günstig Speicher eingekauft werden kann.

Wird es in absehbarer Zeit reine Cloudspeicherlösungen in Unternehmen geben?
Wie wir heute in den verschiedensten Kundenprojekten sehen, läuft es nach wie vor darauf hinaus, dass es keine reinen Cloudspeicherlösungen geben wird. Einerseits gibt es noch viele Fragen, die heute nicht geklärt werden können: Was passiert dann zum Beispiel mit den Daten, wenn ein heutiger Cloudanbieter vom Markt verschwindet oder übernommen wird? Kann ich dann die gesetzlichen Vorschriften noch einhalten? Oder auch die Ungewissheit, wo die Daten sich wirklich befinden. Das hat alles Einfluss auf die verschiedenen Compliance-Vorschriften und gesetzlichen Regulatorien. Hier sind Entwicklungen für Unternehmen schwer vorhersehbar. Daher setzen Unternehmen immer noch auf eigene Speicherlösungen in ihren Datacentern. Wir hätten zwar Lösungen, die es erlauben Speicher, gänzlich in die Cloud zu verschieben, aber die Nachfrage ist hier nicht da.

«Die IT muss neue Wege finden, zur Wertschöpfung des Unternehmens beizutragen.»

Zukünftig wird aber dem Management, den Data Services und der Automatisierung in diesem Bereich eine grosse Bedeutung zukommen. Hier wollen wir als EMC unsere Kunden noch intensiver unterstützen.

Bremsen die vielen Sicherheitsbedenken in den Unternehmen die Cloud im Bereich Speicherlösungen aus?
Wir Schweizer sind sehr auf die Sicherheit bedacht. Auf der anderen Seite haben wir einen Gesetzgeber, der sehr viele Regulatorien geschaffen hat, die sehr viele Einschränkungen mit sich bringen. Ich denke, diese Kombination zeigt unsere Sicherheitskultur, und dies führt dazu, die Cloud kritisch zu betrachten.

Im Zusammenhang mit Cloud hört man immer wieder das Schlagwort der «Schatten-IT». Was sind die Folgen?
Ich glaube, die «Schatten-IT» wurde in den Unternehmen in den letzten Jahren unterschätzt. Dies erleben wir oft in Gesprächen mit unseren Kunden. Die häufigsten Gründe, die Fachabteilungen dazu veranlassen, eigene Lösungen zu entwickeln, sind eine schlechte organisatorische Abstimmung von IT und Fachabteilung, keine eindeutigen Verantwortlichkeiten bei der Betreuung der Fachabteilungen durch die IT sowie unflexible, langatmige organisatorische Abläufe. Die steigende Technologie-Affinität der Mitarbeiter fördert zudem die Entwicklung von «Schatten-IT». Dazu kommt, dass in vielen Unternehmen die interne IT nicht in der Lage ist, schnell und flexibel auf die Bedürfnisse der Fachabteilungen zu reagieren und zu allem Überfluss auch noch viel teurer ist, als ein professioneller Cloudanbieter. Dies führt automatisch dazu, dass auf externe Lösungen zugegriffen wird. Wir haben in unseren Analysen gesehen, dass viele CIOs die Probleme im Hinblick auf Datensicherheit, -integrität und -schutz sowie die Grösse und den Wichtigkeitsgehalt der Information, die sich auf externen Systemen befinden, unterschätzen. Compliance-Konflikte sind hier vorprogrammiert. Die «Schatten-IT» kann zur Etablierung von Prozessen führen, die bestehende Compliance-Regeln verletzen, und stellt selbst einen Verstoss gegen unternehmensinterne Regeln dar.

Hier sind die IT-Manager gefordert, sich Gedanken zu machen: Wie kann ich einfache Prozesse den Fachabteilungen schnell, unkompliziert und preisgünstig zur Verfügung stellen? Es ist eine Umorientierung der IT hin zu Cloud-Service-Bereitstellungsmodellen erforderlich, alte Strukturen und Denkweisen in den IT-Abteilungen müssen dabei überwunden werden.

Wie unterstützt EMC ihre Kunden bei der Cloudplanung?
Die IT muss neue Wege finden, zur Wertschöpfung des Unternehmens beizutragen. Dabei muss sie der zunehmenden Forderung nach einer schnellen und flexiblen Bereitstellung herkömmlicher Unternehmensanwendungen Rechnung tragen und zugleich die Kosten senken und Risiken mindern. Wir unterstützen hier unsere Kunden mit unserer EMC Federation, die aus VMware, Pivotal, Virtusstream und im Sicherheitsbereich RSA als eigenständiger Bereich innerhalb der EMC besteht. Die in den EMC Federation Labs entwickelte, integrierte und getestete Lösung Federation Enterprise Hybrid Cloud umfasst erstklassige Technologien, automatisierte Workflows und Anwendungsvorlagen, die unseren Kunden helfen, die verschiedenen Cloudlösungen und -anbieter wirksam zu verbinden und einfach zu managen. Dank Automatisierung und Self-service können Anwender die benötigten Unternehmensanwendungen und IT-Services in die hierfür geeignete Cloud in der lokalen oder einer externen Umgebung verschieben und dabei die
Infrastruktur wählen, die auf ihre Vorgaben für Kosten, Sicherheit, Zuverlässigkeit und Performance abgestimmt ist.

Immer mehr Cloud-Services verlangen nach mehr Kapazität. Wird die Dichte an Rechenzentren in der Schweiz in den nächsten Jahren noch weiter zunehmen?
Nein, ich glaube, dass die Rechenpower, die wir in der Schweiz haben, zu den weltweit besten zählt. Ich sehe in Zukunft nicht, dass es mehr Rechenzentren geben wird, sondern, dass die bestehenden, zur Verfügung gestellten RZ-Flächen weiter ausgebaut werden. Die kleinen Rechenzentren, die heute fast jedes Unternehmen im Keller hat, wird es in Zukunft kaum noch geben. Unternehmen werden vermehrt dazu übergehen, Datacenter-Services von spezialisierten Anbietern in Anspruch zu nehmen.

Download (PDF, 742KB)

%d Bloggern gefällt das: