Nicht alles muss in die Cloud

Anwendungen und Prozesse verschwinden wieder aus der Cloud, um den Datenschutz zu verbessern, Kosten zu kontrollieren und die Abhängigkeit von Dienstleistern zu reduzieren. Damit sinken aber Flexibilität und Skalierbarkeit. Unternehmen können mit hybriden Lösungen das Beste aus beiden Welten nutzen.

Die Cloud ist nicht zu bremsen – das sagen zumindest die Experten. Der 2019 State of the Cloud Report zeigt, dass 94% die Cloud nutzen.

In der Praxis ist für Schweizer Unternehmen die «Alles in die Cloud»-Einstellung jedoch keine Universal-Lösung. Schnellere Skalierbarkeit, mobiler Zugriff auf Ressourcen sowie höhere Verfügbarkeit und Performance gelten als Vorteile, aber Konnektivität und Sicherheit als grosse Hürden (Cloud Trends 2020-Studie).

Was bleibt im eigenen Rechenzentrum?

Die wachsenden Anforderungen der Cloud und der erhöhte Bedarf an Rechenkapazität machen es immer schwieriger für Unternehmen, ein Rechenzentrum zu betreiben. Gemäss Gartner sollen 80 Prozent aller Unternehmen im Jahr 2025 keine eigenen Rechenzentren mehr besitzen, 10 Prozent haben sich bereits davon getrennt. Unternehmen tendieren heute dazu, hybride IT-Infrastrukturen einzusetzen. Eine Public Cloud und ein eigenes Rechenzentrum schliessen sich nicht gegenseitig aus, sondern lassen sich durch Colocation miteinander kombinieren. Eine 2019 ISG-Studie aus der Schweiz zeigt, dass die Nachfrage nach Colocation-Rechenzentren weiter wächst.

Die optimale Lösung

Unternehmen sollten sich überlegen, wo ihre Workloads am besten aufgehoben sind. CRM-Lösungen und sensible Mitarbeiterdaten müssen aus Datenschutz-und Sicherheitsgründen im eigenen Rechenzentrum bleiben. Content-Management-Systeme können hingegen in der Cloud betrieben werden, um Kostenvorteile zu nutzen. Die optimale Cloud-Strategie hängt dabei von der Unternehmensstrategie ab. Der Trend geht ganz klar in Richtung Hybrid IT. Hybride Infrastrukturen können aber nur dann effizient verwalten werden, wenn die bestehenden Silos sukzessive aufgelöst und die IT-Abteilungen integriert werden.

Der Idealfall

Unternehmen müssen umfassende Systeme implementieren, die alle Clouds integriert verwalten können. Aufgrund der zahlreichen Abhängigkeiten und dem Datenaustausch zwischen den Anwendungen müssen zahlreiche Kriterien wie Skalierbarkeit, Performance und Latenz, aber auch Sensibilität der Daten, Ausfallsicherheit und Security analysiert werden.

Es muss entschieden werden, ob die Public Cloud physisch näher an das eigene Rechenzentrum rücken muss, um Latenz und Performance zu optimieren, oder sogar als Private Cloud im eigenen Datacenter läuft. Oder soll die private Applikation näher an die Public Cloud rücken und das Thema Netzwerkanbindung überdacht werden?

Colocation für alle Fälle

Ein Colocation-Anbieter kann direkte Verbindungen zu einer Vielfalt an WAN- und Public-Cloud-Providern bereitstellen sowie gleichzeitig Equipment-Housing für den eigenen IT-Betrieb bieten. Damit erhalten Unternehmen alle Optionen aus einer Hand – ein eigenes Datacenter, Private Cloud und Public Cloud. Zudem ermöglichen moderne Lösungen wie „Cloud Connect“ private Verbindungen mit mehreren Cloud-Providern über eine einzige physikalische Verbindung.

Autorin: Judith Hirschi, Marketing Consultant, Interxion (Schweiz) AG