Lizenzdirekt: Lizenzmanagement Trends 2020

“Hersteller dominieren den Markt, aber bestimmen ihn nicht

Die Geschäftsmodelle von Microsoft und Co. verändern sich. Längst gehören neben den „herkömmlichen“ On-Premises-Lizenzen mit einmaliger Lizenzgebühr und Wartungsvertrag auch verschiedenste Mietmodelle zu ihren Monetarisierungsstrategien. Doch die Hersteller bestimmen den Markt nicht alleine. Entscheidend ist auch, was Kunden nachfragen. Andreas E. Thyen, Präsident des Verwaltungsrats der Lizenzdirekt AG, zeigt im Folgenden die drei wichtigsten Lizenzmanagement-Trends für 2020 auf.

1. Hybride Modelle statt flächendeckender Cloud-Einsatz

Um die Cloud gab es in den vergangenen Jahren einen regelrechten Hype. Trotzdem wird sie zukünftig nicht das einzige Betriebsmodell für Unternehmen sein. Wie eine aktuelle Studie von KPMG und Bitkom Research zeigt, gibt es für Betriebe zahlreiche Gründe, Workloads lieber im eigenen Rechenzentrum zu behalten. Die Angst vor unbefugtem Zugriff auf sensible Daten steht dabei bei 73 Prozent der Befragten im Vordergrund. 64 Prozent befürchten ausserdem Datenverluste und bei 50 Prozent sprechen rechtliche und regulatorische Bestimmungen gegen die Cloud-Nutzung. Hinzu kommt, dass die Cloud verglichen mit On-Premises Lizenzen nicht immer das kostengünstigere Modell ist. Denn während ein Office 2016 einmalig bezahlt wird, fallen beim Cloud-Service Office 365 monatliche Kosten an. Der Trend wird 2020 und in den kommenden Jahren also vor allem zu hybriden Modellen gehen, die Cloud-Lösungen und On-Premises-Lizenzen kombinieren. So können Unternehmen von den Vorteilen beider Modelle profitieren und sie nach ihren individuellen Anforderungen zusammenstellen.

2. Gebrauchtsoftware weiter auf dem Vormarsch

Der Trend zu Gebrauchtsoftware wird sich auch 2020 mit starkem Wachstum fortsetzen. Viele Unternehmen haben die damit verbundenen Vorteile bereits erkannt und nutzen sie für sich. So sind im Vergleich zum Neukauf 20 bis 50 Prozent Preisvorteil möglich – bei Vorgängerversionen sogar noch mehr. Zudem benötigen viele Nutzer die Features der aktuellsten Software-Version im Alltagsgeschäft überhaupt nicht. Nicht selten sind sie sogar mit dem erprobten Programm besser bedient. Denn mit Neu-Versionen gehen oftmals auch Kompatibilitätsprobleme einher. Vorgängerversionen sind jedoch nur auf dem Gebrauchtsoftware-Markt erhältlich, denn Hersteller selbst vertreiben über das typische Händlernetz nur die gerade aktuelle Version. Behörden müssen bei Ausschreibungen mittlerweile sogar ausdrücklich Gebrauchtsoftware-Angebote berücksichtigen. Denn laut Haushalts- und Vergaberecht sind sie dazu verpflichtet, sich wirtschaftlich und bedarfsgerecht mit Software auszustatten. Beides ist mit Lizenzen aus zweiter Hand möglich.

3. Bares für Rares – nicht genutzte Lizenzen verkaufen

Clevere IT-Verantwortliche beschränken sich 2020 jedoch nicht nur auf den Ankauf von Gebrauchtsoftware. Vielmehr haben sie auch den eigenen Software-Bestand im Blick und verkaufen nicht mehr benötigte On-Premises-Lizenzen. Dies bietet sich beispielsweise an, wenn Anwendungen in die Cloud verlagert wurden. Denn der Gebrauchtsoftware-Markt floriert und Händler reissen sich regelrecht um On-Premises-Lizenzen, um der enormen Nachfrage gerecht zu werden. Auf diese Weise können Verantwortliche ihren IT-Etat aufbessern und haben mehr Budget für notwendige IT-Projekte.

Fazit: Gebrauchtsoftware-Markt schliesst Hersteller-Lücke

Auch wenn es Herstellern wie Microsoft lieber wäre, wenn Unternehmen ihre Anwendungen komplett in die Cloud verlagern: Ein solcher Trend zeichnet sich für 2020 nicht ab. Denn viele Betriebe möchten beispielsweise ihre Daten zumindest teilweise lieber in der eigenen Infrastruktur behalten. Daher sind in den kommenden Jahren vielmehr hybride Modelle gefragt. Der Gebrauchtsoftware-Markt schliesst dabei eine Lücke. Denn für hybride Strukturen eignen sich auch gebrauchte Lizenzen, die um ein Vielfaches kostengünstiger sind als Neu-Versionen vom Hersteller. IT-Verantwortliche sollten im kommenden Jahr ihr Lizenzmanagement daher genau unter die Lupe nehmen – mithilfe von An- und Verkauf von Gebrauchtsoftware sind vielleicht beträchtliche Einsparungen möglich. Fachkundige Händler geben hier gern mit ihrer Expertise Hilfestellung.

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