Der grüne Datenbunker

Steigender Datenverkehr und der damit verbundene Netzausbau stellen Unternehmen vor grosse Herausforderungen: Sie benötigen mehr Leistung und Rechenzentren, wollen dabei aber gleichzeitig die Energieverbräuche und CO2-Emissionen reduzieren. Warum dann nicht ab ins energieeffiziente Data Center?

In grünen Zeiten mit einem aufstrebenden Nachhaltigkeitsfokus reisst die Diskussion über den Energieverbrauch nicht ab. Gleichzeitig stürzen wir uns kopfüber in die digitale Ära – was ja nicht gerade ein Indikator dafür ist, dass wir mit unseren Energieressourcen sparsamer umgehen würden. Nehmen wir beide Trends zusammen, landen wir sehr schnell beim Thema «Green IT». Von denen, die digitale Dienste produzieren, wird verlangt, dass sie das nachhaltig und umweltschonend mit einem minimalen «Carbon Footprint» tun. Der Bedarf an Rechenleistung hat sich seit 2010 verzehnfacht und Rechenzentren verbrauchen immer mehr Strom. Zwar sind sie schon viel energieeffizienter geworden, es gibt aber noch Luft nach oben.

Natürlich ist Energieeffizienz im Rechenzentrum nicht nur eine Anforderung, die die Zukunft unserer Erde an uns stellt. Energieeffizienz im Rechenzentrum hat auch handfeste betriebswirtschaftliche Konsequenzen. Wenn es um den Server- und IT-Betrieb im eigenen Server-Raum, in der Co-location, im Housing oder in der Cloud geht, bei dem Kosten eine entscheidende Rolle spielen, ist die Energieeffizienz sogar ein entscheidender Differenzierungsfaktor.

Energieverbrauch als Kostentreiber

Gemäss Analysten von IDC soll bereits im kommenden Jahr die Hälfte der globalen Wirtschaft digitalisiert sein. Digitalisierung – das bedeutet konsequenterweise auch, dass der Hunger nach Rechenzentrumsflächen kontinuierlich wächst. Jedes Unternehmen, das Dienste für die digitale Welt bereitstellen will – sei es unternehmensintern oder am externen Markt – braucht eine adäquate Basis für den Betrieb seiner Services. Gleichzeitig steigt dabei auch der Energieverbrauch. Kein Wunder lassen sich Rechenzentrumsbetreiber manches Kreatives einfallen, um die Kosten für Energie zu senken. Eine der ersten Lösungen ist es, den Rechenzentrumsstandort in den hohen Norden zu verlegen. Der Rechenzentrumstourismus liebt Skandinavien – oder noch besser Island. Niedrige Durchschnittstemperaturen, niedrige Stromkosten – meist erzeugt mit erneuerbarer Energie – sind eine nahezu unschlagbare Kombination. Allerdings ist mit einem solchen Umzug auch mit Latenzen zu rechnen. Per se muss das nicht kritisch sein, aber für Anwendungen, von denen man hohe Performanz und Echtzeitaussagen erwartet, kann das schon relevant sein. Also dann doch lieber den RZ-Betrieb in greifbarer Nähe halten?

Vor diesem Hintergrund stellt Colocation, Housing oder die Cloud ausserhalb eigener Rechenzentren eine Alternative mit klaren Vorteilen dar.

Cloud, Colocation oder Housing

Die Public Cloud ist der Standard für neues Business und neue Business-Ideen, die schnell realisiert, skaliert und aufgegeben werden müssen; sie ist ideal für beispielsweise Rapid Prototyping und das Internet of Things, aber auch temporäre Spitzenlasten wie Simulationen. Der klassische Betrieb (auch mit der Variante der Private Cloud) adressiert Services, die kontinuierlich zuverlässig betrieben werden müssen. Je nach Einsatzszenario realisieren verschiedene Betriebsmodelle Kostenvorteile. Weitere Faktoren für die Auswahl des Betriebsmodells sind Compliance-Anforderungen sowie das Mass eigener Kontrolle über den jeweiligen Service. In jedem Fall brauchen die zugrundeliegende Hardware, Rechner, Speichersysteme etc., einen Ort, an dem sie betrieben werden können – und das rückt die Rechenzentren in den Fokus. Wählt das Anwenderunternehmen die Public Cloud, gibt es die Kontrolle und Verantwortung bis etwa auf die Ebene des Betriebssystems ab. Entscheidet sich das Unternehmen für einen Eigenbetrieb, behält es den kompletten Durchgriff bis auf die Ebene der Hardware – und muss dabei auch die komplette Verantwortung für physikalische Sicherheit, Stromversorgung, Klimatisierung, 24/7-Infrastrukturbetrieb übernehmen.

Housing bzw. Colocation ist eine Alternative zum Eigenbetrieb: Beim Housing behält das Anwenderunternehmen den kompletten Durchgriff auf die Hardware, entlastet sich aber von den grundlegenden Themen des Facility Managements. Physikalische Sicherheit, Brandschutz, (Not-)Stromversorgung, Klimatechnik u.v.m. übernimmt der Colocation-Anbieter. Der Unterhalt eigener Gebäude und Infrastrukturen für den Betrieb der IT-Ressourcen entfällt. Housing erlaubt damit den bedarfsgerechten Zugriff auf Rechenzentrumsinfrastruktur. An die Stelle von Investitionen in Gebäude, die dauerhaft Kapital binden, treten Betriebsausgaben, die nutzungsbezogen (für die Dauer eines Service) anfallen. Unternehmen, die sich für ein Housing entscheiden, vermeiden hohe Investitionen, die damit in andere Projekte fliessen können. Das gilt nicht nur für den Bau neuer Facilities, sondern auch bei umfassenden Modernisierungen. Zugleich werden die Kosten für das Infrastrukturmanagement transparent, d.h. das Anwenderunternehmen kann seine Ausgaben für Rechenzentrums-Infrastrukturen klar planen. Last but not least: direkte Kostenvorteile ergeben sich vor allem durch energieeffiziente Rechenzentren.

An einem einfachen Rechenbeispiel wird klar, dass die Energiekosten in einem Rechenzentrum mit einem PUE von 1,3 um ca. 30 Prozent niedriger sind als in einem Rechenzentrum mit einem durchschnittlichen PUE von 1,8. Diese Kostenvorteile kann der Colocation-Provider an seine Kunden weitergeben. Anwenderunternehmen, die ihre IT-Systeme in ein energieeffizientes Rechenzentrum verlagern, reduzieren gleichzeitig auch ihren Carbon Footprint. Die bessere Klimaleistung in einem modernen Rechenzentrum hat aber noch einen zweiten kostensenkenden Effekt: Mit einer leistungsfähigeren Klimatisierung können die Server platzsparender (optimierte Rack-Planung) als im Original-Rechenzentrum betrieben werden. Statt mit 300 bis 400 W/m² können die Systeme mit 1000 bis 2000 W/m² betrieben werden. Die notwendige Quadratmeterzahl für die IT sinkt.

Fazit

Gerade in Zeiten der Cloud und der Digitalisierung bietet Housing bzw. Colocation Unternehmen, die eigene Systeme betreiben müssen oder wollen, eine Fülle von Optionen – egal ob Anwenderunternehmen, Digital Service Provider oder Cloud Provider. Daneben ermöglicht ein RZ-Infrastruktur im On-Demand-Modus einen nachhaltigen, energieeffizienten Betrieb und kann gleichzeitig die Agilität eines Unternehmens genauso fördern wie das Sicherheits- und Verfügbarkeitsniveau der IT-Services. Unternehmen, die ihre Infrastrukturen flexibilisieren wollen, tun gut daran, einen Anbieter zu evaluieren, der alle Optionen anbieten und die ökologisch wie ökonomisch sinnvollste Lösung für das spezifische Kundenbedürfnis massschneidern kann.

Zum Autor:
Thomas Williams ist Expert
Sales Managed Infrastructure Services und Cloud bei
T-Systems Schweiz AG.
Williams hält einen Business Engineer MB sowie einen
Eidg. Dipl. Informatiker inne. Er ist seit 2014 bei T-Systems. Zuvor war er in ähnlichen Rollen bei Avectris AG und Amadeus IT Group tätig.
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