Das ERP der Zukunft ist längst da

Im Gegensatz zu Grossunternehmen setzen KMU die technisch vorhandenen Möglichkeiten zu wenig gewinnbringend ein.

ERP-Lösungen sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken und werden es auch in Zukunft nicht sein – Outsourcing hin, Cloud Computing her. Denn egal ob inhouse betrieben oder als Service aus der Cloud, alle Informationen des Unternehmens werden in Software-Systemen erfasst und damit Geschäftsprozesse abgewickelt. Eine Optimierung der Effizienz sowie Wertschöpfung lässt sich in der Folge ohne IT-Unterstützung nicht bewerkstelligen. Dazu gehört immer häufiger auch das Dokumenten- und Wissensmanagement, steigt doch der Informationsstand über das eigene Unternehmen stetig an. Dieses oft brach liegende Potenzial muss zunehmend als eigene Ressource betrachtet und gewinnbringend genutzt werden. Enterprise Content Management (ECM) wird dabei immer mehr zum zentralen Baustein des ERP-Systems, um die verfügbaren Inhalte nicht nur in unterschiedlicher Strukturiertheit erfassen und speichern, sondern auch bereitstellen und effizient bearbeiten zu können. Denn KMU stehen heute allein schon aufgrund der steigenden regulatorischen Anforderungen in der Pflicht, Rechenschaft über die eigenen Prozesse abzulegen und Nutzenanalysen zu betreiben. Um den Bogen zum ERP der Zukunft zu spannen: Dazu gehört selbstredend, dass direkt aus den Anwendungen heraus auf Dokumente zugegriffen werden kann – und zwar sowohl am Arbeitsplatz als auch mobil von x-beliebigen Geräten aus. ECM garantiert dabei eine zentrale, einmalige Ablage ein und desselben Dokuments, das von mehreren Mitarbeitenden oder Projektgruppen genutzt und bearbeitet werden kann.

Der geneigte Leser mag sich fragen, was denn daran zukunftsweisend sei, gehören doch mobile Anwendungen und die zentrale Bereitstellung von Dokumenten längst zum Geschäftsalltag. Dem ist leider nicht so. Obwohl die technischen Möglichkeiten längst verfügbar sind, fehlt KMU in der Praxis noch weitgehend die Akzeptanz dafür. Zwar werden wie bei Grossunternehmen Geschäftsprozesse optimiert, aber bei der konsequenten Umsetzung von durchgängigen Lösungen hapert es. Häufig sind nämlich allein schon die Vorbehalte gegen mobile Anwendungen oder Home Office noch zu gross. Stattdessen vertraut man lieber herkömmlichen Systemen mit Papierdokumenten und Bundesordnern für die zentrale Ablage und einer dezentralen Bearbeitung am Schreibtisch. Die bekannten Mängel sind Medienbrüche ein Wildwuchs an Dokumentenversionen, verbunden mit entsprechender Ineffizienz. Man muss deshalb nicht zu tief in die Kristallkugel blicken: Das «ERP der Zukunft» ist längst da, es wird nur von KMU nicht ausreichend genutzt. In Zeiten steigenden Kosten- und Wettbewerbdrucks kommen aber auch diese nicht umhin, ihre Effizienz zu steigern und die Aussagekraft der Unternehmensdaten zu ihrem Vorteil einzusetzen. Dazu gehört unter anderem die konsequente Umsetzung von ECM. Vorher braucht man nicht über Visionen wie Big Data und Analytics nachdenken – etwa, um in Echtzeit Wirtschafts- und Marktinformationen zu Stakeholdern maschinell ins ERP zu überführen, zu analysieren und automatisiert Geschäftsprozesse anzustossen.

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Autor: Walter Wyss ist Mitinhaber und Leiter Verkauf des Finanzsoftware-Herstellers Soreco.

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